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Nationallager in Rumänien

Knapp 300 Pfadis aus Rumänien und der Schweiz nahmen im Jahr 2006 gemeinsam am rumänischen Nationallager in Baltea Neagra teil.

Ausgangslage

Vorgeschichte

Der Verband der rumänischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder (Asociatia Ghidelor si Ghizilor din Romania - AGGR) wurde im März 1991 kurz nach dem Ende des kommunistischen Regimes gegründet. Heute zählt er ungefähr 800 Mitglieder, Mädchen und Knaben. Seit 1995 hat die Pfadibewegung Schweiz (PBS) Kontakte zum rumänischen Verband AGGR, später entstand eine offizielle  Partnerschaft, die auch in einem Partnerschaftsvertrag gefestigt wurde. Seitens der PBS wurde die Projektgruppe Rumänien gegründet, welche für die Partnerschaft verantwortlich ist. Stand in den ersten Jahren der Partnerschaft vor allem der Aufbau der rumänischen Pfadi im Vordergrund, so ist nun das Hauptziel der internationale Austausch zwischen zwei Pfadiverbänden. Zum 15-jährigen Jubiläum des Verbandes wollte AGGR ein Bundeslager organisieren – ein Lager, zu dem alle Mitglieder und einige internationalen Gäste eingeladen werden sollten. Im Jahre 2004 hörten wir (die Projektgruppe Rumänien der PBS) erstmals von dieser Idee und sicherten (falls gewünscht) unsere beraterische sowie (falls möglich) unsere finanzielle Unterstützung zu.

Finanzen

Im Rahmen der üblichen Partnerschaftstätigkeit war die Projektgruppe Rumänien der PBS jeweils über die Jahresbudgets und –abrechnungen von AGGR informiert, da vor allem in den ersten Jahren ein Teil des Jahresbudget via die PBS vom Jugendostkredit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) finanziert wurde. Dadurch war die Projektgruppe auch von Beginn an in die Budgetierung des Bundeslagers 2006 involviert und es war schnell absehbar, dass ein Lager in grossem Rahmen auch in Rumänien mit hohen Kosten verbunden ist. Dies hätte die Teilnahme für einen Grossteil der Mitglieder von AGGR verunmöglicht, betrugen die budgetierten Lagerbeiträge anfänglich doch etwa die Hälfte eines Lehrer-Monatsgehaltes. Dazu kam, dass die Pfadi in Rumänien nicht wie in der Schweiz von der Unterstützung staatlicher Institutionen und von einer Bekanntschaft in der Öffentlichkeit und bei privaten Firmen profitieren kann. Es war also klar, dass ein finanzieller Support von Schweizer Seite eine Voraussetzung für das Projekt Bundeslager 2006 war.

Vorbereitungen

Vorbereitungen in Rumänien

Die Vorbereitung in Rumänien starteten im Jahre 2005. Es wurde ein Team von neun Personen gebildet, die das ganze Lager organisierten. Im Gegensatz zu sonstigen Sommerlagern in Rumänien, die meist nicht länger als zwei Monate im Voraus angekündigt werden, wurde schon im Rahmen der Delegiertenversammlung im Herbst 2005 Werbung für das Lager gemacht. Es galt insbesondere, etwas ‚lagerscheue’ Gruppen von der Idee zu begeistern. Auch internationale Gäste sollten motiviert werden und eine offizielle Ausschreibung dazu erreichte uns ebenfalls im Herbst 2005. Anschliessend wurde der Lagerplatz gesucht, ein Thema festgelegt, das Programm geplant und die Infrastruktur organisiert. Vor allem bei Kontakten mit Privaten, Firmen und auch staatlichen Organisationen wie z.B. dem Militär (für eine Anfrage, ob Zelte ausgeliehen werden könnten) war sehr erschwerend, dass die Rumänen die Pfadi als Jugendorganisation nicht kennen. Die Planung verlief gut, vor allem in den letzten Wochen vor dem Lager wurden noch viele ‚Lücken’ gestopft.

Kontakte mit der Schweiz

Schon seit der ersten Idee zum Bundeslager 2006 war die Projektgruppe Rumänien der PBS involviert. Dies einerseits als Land, welches eine eigene Delegation mit Teilnehmenden schicken wird, jedoch vor allem auch als langjähriger Partner. Es gab regelmässig telefonische Kontakte und Emails. Es war der Projektgruppe jedoch auch ein Anliegen, dass es ein rumänisches Lager sein soll, welches nicht zu stark von der Schweiz beeinflusst werden sollte, wenn die Projektgruppe auch manchmal andere Vorstellungen hatte. Solche Diskussionen nahmen einen grossen Teil der Sitzungszeit der Rumänienequipe im Jahr vor dem Lager in Anspruch.

Vorbereitungen in der Schweiz

Mittels Flyer in den Versänden an die Abteilungsleiterinnen und –leiter der PBS aber auch über persönliche Kontakte versuchte die Projektgruppe schon im Sommer 2005 Abteilungen zu finden, welche an einem Lager in Rumänien interessiert waren. Daneben suchte sie auch ältere Einzelpersonen, welche als Helferin oder Helfer teilnehmen wollten. Am 20. November 2005 fand in Bern ein Infotag für interessierte Leiterinnen und Leiter statt. Schliesslich meldeten sich drei Abteilungen aus dem Aargau  eine aus Delemont und sechs Helferinnen und Helfer an. Die Gruppen wurden von je einem Mitglied der Equipe betreut, welches auch an Elternabenden und teilweise an Sitzungen anwesend war. Auch für die Helferinnen und Helfer gab es eine Kontaktperson. Bei einem weiteren Infotreffen im Frühling 2006 wurden einige Vorbereitungen getroffen und genauer über das Land und das Lager informiert.

 

Lager

Infrastruktur

Der Lagerplatz befand sich in Baltea Neagra, etwa eine halbe Autostunde vom Flughafen Bukarest Otopeni in bereits sehr ländlichem Gebiet. Der Platz lag an einem Waldrand, seitlich begrenzt von kleineren Sümpfen. Pro Unterlager stand eine luxuriöse, selbstgebaute Feuerstelle mit Rüsttisch zur Verfügung. Natürlich gab es Duschen und eine Waschstelle, für deren Wasserbedarf speziell eine unterirdische Quelle gesucht und angezapft wurde. Weiter standen zehn Ecotoiletten zur Verfügung. Die Nahrungsmittel wurden teils lokal eingekauft, teils vom Supermarkt Carrefour angeliefert. Auf dem Lagerplatz gab es ein ‚International Tent’, in welchem Präsentationen der einzelnen Gruppen ausgestellt waren, einen kleinen Kiosk mit Getränken, Souvenirs und Süssigkeiten, eine Bühne und diverse Zelte für Material und Organisation. Am Eingang zum Lagerplatz wurde ein Turm mit einem Lagertor errichtet.

Teilnehmende

Teilgenommen haben etwa 150 Personen aus verschiedenen Regionen von Rumänien (siehe Karte). Aus Bukarest nahm eine Gruppe mit 9 Kindern aus einem Waisenhaus teil. Diesen Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben die Hauptverantwortlichen den Lagerbeitrag komplett erlassen. Aus Barlad war eine Gruppe im Lager, die auch HIV-positive Kinder als Mitglieder hat, die dort aus einem Kinderheim in Pfadi gehen können. Aus der Schweiz nahmen insgesamt rund 120 Leute teil: Aus dem Aargau die Abteilungen Sodales, Heitersberg und Hallwyl mit insgesamt 87 Leuten, sowie die Abteilung ‚Notre-Dame de la Route’ aus Delemont mit 13 Teilnehmenden. Als Helfer und Helferinnen waren Pfadis aus Winterthur, Bern, Fribourg und von der Projektgruppe waren Personen aus Winterthur, Luzern, Lausanne, Baden und Basel anwesend. Zudem besuchte ein Mitglied der Verbandsleitung der Pfadibewegung Schweiz das Lager während drei Tagen. Eine kleine Delegation von fünf Personen reiste aus Deutschland an. Ursprünglich waren über 500 Teilnehmende geplant, davon 350 aus Rumänien. Verschiedene Gründe führten zu einer geringeren Teilnahme von Pfadis aus Rumänien: So hat in diesem noch jungen Pfadiverband das Sommerlager noch keine Tradition und eine Teilnahme ist ungewohnt. Die Mitteilung, dass der Lagerbeitrag dank Spenden aus der Schweiz massiv reduziert wird, erreichte die aktiven Pfadis zu spät. Für einige war es zudem schwierig, eine Woche frei zu bekommen. Sehr erfreulich war auch der Besuch von einer kleinen Delegation der Schweizer Botschaft in Bukarest, die auch schon seit längerer Zeit über unsere Partnerschaft informiert war.

Programm

Die Teilnehmenden wurden mit ihren Leiterinnen und Leitern in fünf Unterlager unterteilt, jeweils mit rumänischen und Schweizer Pfadis. Das Programm war so aufgebaut, dass jeweils das ganze Unterlager die gleiche Tagesstruktur hatte, sich aber meist auf verschiedene Ateliers oder Module weiter unterteilen konnte. Zur Übersicht ist das Programmraster im Anhang beigelegt.

Arts

Da die sieben Musen der Kunst dem Lager das Thema gaben, spielten diese im Programm auch eine wichtige Rolle. Bei den „Arts“ konnten die Kindern zwischen unterschiedlichen Angeboten wählen, die sich mit den verschiedenen Künsten befassten. Es wurde getanzt, mit gefundenen Materialien Instrumente gebastelt und zum Klingen gebracht, Gipsmasken gefertigt, gesungen, Theater gespielt und einiges mehr. Die Gruppen waren jeweils klein und übersichtlich und meist international, was einen guten Kontakt ermöglichte.

Crafts, Adventure, Service to the Community

In diesem Zeitgefäss nahmen die Kinder in etwas grösseren Gruppen (30-40 Personen) an Aktivitäten teil. In einem Modul befassten sie sich mit den Bedürfnissen von Kindern und versuchten ihre eigenen Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen. Im Adventure-Modul galt es, möglichst schnell einen Parcours durch den Wald mit Seilbrücke und anderen Hindernissen zu absolvieren. Am „Service to the Community“-Nachmittag wurde ein angrenzendes Waldstück von Unmengen herumliegendem Abfall gesäubert, was bei allen Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck hinterliess – es ist zu hoffen, dass sie in Zukunft sorgsamer mit der Natur umgehen werden.

Exkursion

Mit einem Bus ging’s in die nahe gelegene Hauptstadt Bukarest. Dort konnte das eindrückliche Parlamentsgebäude mit einer Führung besichtigt werden – das weltweit zweitgrösste Gebäude, gebaut unter Ceausescus Grössenwahn. Später fuhren die Kinder zum Village Museum, einem Art Ballenberg-Museum, in dem Gebäude aus verschiedenen Regionen besichtigt werden konnten. In diesem parkähnlichen Museum wurde auch das Picknick gegessen.

Joc Mare

"Joc Mare“ bedeutet übersetzt grosses Spiel – und das war es auch. Es handelte sich um ein fünfstündiges Geländespiel (Planspiel, bei dem Strategie und Bewegung eine Rolle spielen), bei dem alle Teilnehmenden, auf verschiedene Gruppen verteilt, gemeinsam mitgemacht haben. Diese organisatorische Knacknuss wurde von den rumänischen Leiterinnen erstaunlich gut gelöst, das Spiel bereitete viel Spass.

Sports

Täglich gab es eine Portion Sport, auch weil die Schweizer Gruppen so die Vorgaben des Sportförderungsprogrammes des Bundes „Jugend und Sport“ erfüllen und so einen Beitrag an das Lager bekommen konnten. Entgegen dem im Anhang beigelegten Programm fanden diese Aktivitäten nicht am Nachmittag statt, sondern wurden wegen der grossen Hitze auf den Morgen verschoben. Es wurde gespielt, geturnt und sogar eine Kurzeinführung in eine asiatische Verteidigungssportart wurde angeboten.

Romanian Day

An diesem Tag stand das Gastgeberland im Zentrum. Man konnte verschiedene Handwerke, Traditionen und Spiele aus Rumänien kennen lernen und der Höhepunkt war am Abend ein traditionelles rumänisches Essen.

International Day

Geplant und durchgeführt wurde dieser Tag von den Schweizer Helferinnen und Helfern sowie von der Rumänienequipe. Der Rahmen des Tages war durch ein kleines Theaterstück mit Heidi, Willhelm Tell, Walterli und Gessler gegeben. Dazwischen mussten die Kinder als Hilfe für Tell, Walterli und Heidi verschiedene Posten absolvieren. Diese reichten von einer Skistaffette über Schweizer-Quiz, Unspunnensteinstossen, Schwingen, Quiz bis zum Singen vom „Vogulisi“. Als Dank offerierten Heidi und Co. am Schluss eine Fondue- und Schokoladendegustation.


Stimmung

Die Stimmung im Lager war sehr gut. Die Kommunikation zwischen den Organisatoren und den Teilnehmenden lief (nach einigen Startschwierigkeiten) gut, bei Unsicherheiten der Schweizer Gruppen konnten die Mitglieder der Projektgruppe oft vermitteln. Für nicht wenige rumänische Kinder war es das erste Pfadilager, für alle das erste in dieser Grössenordnung. Für die meisten Schweizer Kinder war es die erste Reise in ein Land dieses Kulturkreises. Die meisten Teilnehmenden konnten zum ersten Mal ein internationales Pfadilager erleben und Freundschaften mit Gleichaltrigen aus einem anderen Land schliessen. Sie nahmen viele neue Eindrücke mit nach Hause und konnten bestimmt auch einige Vorurteile abbauen.

Auswertung

Die Projektgruppe der PBS ist sehr zufrieden und vor allem sehr beeindruckt von diesem Lager. Alles klappte reibungslos, der rumänische Verband hat gezeigt, dass er selbständig auch grosse Projekte auf die Beine stellen und bis zum letzten Detail organisieren kann. Dies sicherlich auch dank der jahrelangen Partnerschaft mit der Pfadibewegung Schweiz. Noch vor drei Jahren wäre der rumänische Verband nicht in der Lage gewesen, ein Lager dieser Dimension durchzuführen. Es gab keinerlei Zwischenfälle, die Mitglieder der Projektgruppe spürten nie die Notwendigkeit, sich einmischen zu müssen. Die Entwicklung des Pfadiverbandes AGGR war sehr eindrücklich zu sehen – übrigens auch für die Leitung des rumänischen Verbandes selbst, die diesen Erfolg hoffentlich als Bestätigung für geleistete und als Motivation für weitere Arbeit nehmen kann.

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