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Die Freundin - Ida von Herrenschwand, 1887 - 1961

von Hanni Waeber v/o Pilz (Kassier Our Chalet)

Falk ist von uns gegangen. Alle ihre vielen Freundinnen und Freunde stehen in tiefer Trauer an ihrem Grabe. Wir alle wissen, dass es ein unverlierbares Geschenk war, wenn wir uns in Freundschaft mit Falk verbunden wussten. 

Wohl selten gibt es einen Menschen, der in aller Welt, bei Jung und Alt, bei hochstehenden und einfachen Leuten so viele Freunde zählte. Bis zuletzt war das Krankenzimmer ein Blumengarten, und viele hunderte von Briefen und Kartengrüssen trafen aus aller Welt ein. 

Wir fragen uns, wie es kommt, dass ein Mensch so tiefgehende, dauernde und beglückende menschliche Beziehungen schaffen konnte. Wir sind uns bewusst, dass dies nur eine ganz gefestigte, wahre und gerade Persönlichkeit kann, die jedem Menschen mit innerer Anteilnahme begegnet, die bereit ist aus aufrichtigem Herzen in natürlicher Selbstverständlichkeit zu helfen, die auch nicht davor zurückschreckt eine unliebsame Wahrheit auszusprechen, die vor allem mit grossem Humor und Frohsinn in jeder Situation das richtige Wort findet. 

Für Falk bedeutete Freundschaft ein Eingehen auf die besondere Eigenart des andern, ein gegenseitiges Geben und Nehmen. 

Falk war eine wahrhaft fromme Frau, die in unerschütterlichem Glauben sich von Gott gehalten und geführt wusste und sich ihm verpflichtet fühlte. Sie war aber zugleich von ganzem Herzen aufgeschlossen für alles Schöne, das uns das Leben schenkt. Wie konnte sie lachen und fröhlich sein! Die Schönheiten der Natur in allen Gegenden der Welt hat sie mit offenen Sinnen genossen. Wie oft war sie an schönen Sommerabenden ergriffen vor den sich rötenden Felsen des Lohnermassivs gestanden oder bestaunte am verglimmenden Lagerfeuer den Sternenhimmel. Die Musik war für sie immer wieder eine Quelle des Glücks, in jungen Jahren spielte sie selbst ausgezeichnet Klavier, oder in Konzerten und bei Schallplatten lauschte sie mit Sachkenntnis und Aufgeschlossenheit den schönsten Musikwerken. Kunst und Literatur bedeuteten ihr unendlich viel. 

Sie war eine Gesellschafterin, die ihre Gäste im kleinen und grossen Kreis zu unterhalten wusste, sie konnte ihre Gedanken in Worte fassen in Reden und in intimem Gespräch. Ihre riesenhafte Korrespondenz meisterte sie in allen Sprachen und liess freundschaftliche Beziehungen trotz ihrer grossen Inanspruchnahme nicht versiegen. Diese Treue im Kleinen und im Grossen ist wohl der Boden, auf dem eine wahre Freundschaft nicht nur aufblühen, sondern sich auch bewähren kann. Wir fühlen es manchmal mit Schrecken, wie in unserer Zeit mit der Ueberwindung aller Distanzen, mit der leichten Kontaktnahme durch Radio und Telephon, so viele Menschen vereinsamen. Falk hat uns gezeigt, wie man diese Not überbrückt, wenn wir Freundschaften pflegen, jedes mit den Fähigkeiten, die ihm gegeben sind. 

Falk ist in starker und bester Tradition aufgewachsen, sie war aber auch aufgeschlossen für alles Neue, sie hat die Umwandlung und Veränderung unserer Zeit mit Verständnis miterlebt und war dadurch in der Lage auch die jüngste Generation zu verstehen; auch diese fühlte sich gefesselt von ihrer genialen und einmaligen Persönlichkeit. 

Wir setzen Falk das schönste Denkmal, wenn wir nie vergessen, was sie uns persönlich war, was sie den Pfadi aller Welt und in ganz besonderem Masse den bernischen und schweizerischen Pfadi gegeben hat. Von der Freundschaft wird auch in unserem Pfadigesetz gesprochen, Falk zeigte uns, wie reich und gross ein Leben wird, wenn für die Freundschaft auch Opfer gebracht werden, wenn wir sie in unsentimentaler Art pflegen, wenn wir jedem Menschen in Achtung und mit Verständnis begegnen, indem wir Freude bereiten und unserer Pfadibewegung die Treue halten bis zuletzt. 

Wem Falk ihre Freundschaft schenkte, der durfte erfahren, dass sie über Jahre und Jahrzehnte dauerte und zu einem Quell unversiegbarer Freude wurde! 

 

Der Text stammt aus der Broschüre "Ida von Herrenschwand 1887 - 1961", welche im Zentralarchiv der PBS eingesehen werden kann. Die Schreibweise (inkl. allfälliger Fehler) wurde gemäss dem Original übernommen. Abschrift: Doris Stroppel-Lutz.

 

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